So fies gehen Betrüger mittlerweile vor
(kunid) Gefälschte Bilanzen, die Liquidität vortäuschen; Unternehmen, die lange Zeit kleine Rechnungen bezahlen und dann nach großen Bestellungen einfach verschwinden; oder gar Identitätsdiebstahl.
Betrugserkennung und -prävention war das Thema eines Vortrags des Juristen und Spezialisten für Betrugsbekämpfung M. Hoffmann bei der Fachtagung „Risiko und Rendite: Strategien für mehr Sicherheit von Firmenkunden“ der R+V Allgemeine Versicherung AG.
Betrugsbekämpfung in der Kreditversicherung geht tatsächlich weit über Schadenbearbeitung und Fragen der Zahlungspflicht des Versicherers hinaus und umfasst auch Prävention, strafrechtliche Verfolgung der Täter sowie – was allerdings nur selten erfolgreich sei – Regressforderungen, so Hoffmann.
Problem „Firmenbestattungen“
Sogenannte Firmenbestattungen stellen einen großen Teil der Betrugsfälle dar. Dabei wird ein Unternehmen nicht einem regulären Insolvenzverfahren zugeführt, sondern einfach nicht weitergeführt und ist nicht mehr greifbar, womit es keine Chance gibt, an Geld zu kommen.
Solche Unternehmen legen auch (gefälschte) Bilanzen, die immer besser werden. Dies täuscht Liquidität vor und dient unter anderem als Basis für Kredite.
Anfangs werden dann Waren in zuerst kleinem Umfang bestellt und auch bezahlt, bis schließlich große Bestellungen gegen Rechnung erfolgen, die dann nicht mehr bezahlt werden; die Firmen verschwinden.
Neue, aber auch bestehende Unternehmen benützt
Manchmal handelt es sich dabei um ursprünglich redliche Unternehmen, die ein Insolvenzverfahren vermeiden wollen; häufiger sind aber mit großer krimineller Energie von vorneherein geplante Unternehmensgründungen.
In vielen Fällen werden auch bestehende Gesellschaften aufgekauft, die aus Altersgründen abgegeben werden – bei lange bestehenden Unternehmen brauchen sich die Betrüger auch keine Gedanken über die Bonität zu machen.
Teilweise bedienen sich die Kriminellen dabei der Hilfe – meist ausländischer – Strohmänner als Geschäftsführer, denen ein gut bezahlter Job versprochen wurde und die oft nicht wissen, dass ihre Identität für Straftaten verwendet wird.
Kriminelle Geschäftsmodelle
Inzwischen gibt es rund um dieses Thema auch eigene Geschäftsmodelle. So hat sich ein Markt für den Verkauf von GmbHs etabliert, wobei die Betreiber der betreffenden Plattformen im Dunkel bleiben.
Auch gibt es „Berater“, die Unternehmen bei ihrer Bestattung unterstützen und dabei keine Rücksicht auf Gläubiger nehmen. Ihnen geht es ausschließlich darum, Eigentümer oder Geschäftsführer von insolventen Unternehmen vor den Folgen der Insolvenz zu bewahren.
Und schließlich gibt es Leute, die ständig neue GmbHs gründen und über tausende „Vorratsgesellschaften“ verfügen; werden solche Gesellschaften dann übernommen, ist es schwierig zu sagen, ob sie für Straftaten oder ganz normal verwendet werden.
Identitätsdiebstahl
Besonders problematisch ist aus Sicht der Kreditversicherung der Identitätsdiebstahl. Dabei werden beispielsweise Waren über leicht veränderte E-Mail-Adressen bestellt, es kann aber so weit gehen, dass Kriminelle Webseiten von Unternehmen fälschen.
Ein typischer Betrugsfall ist es beispielsweise, wenn auf Rechnung bestellte Waren überhaupt nicht zum Geschäftszweck des (vorgeblichen) Bestellers passt oder der Besteller ein großes, bekanntes Unternehmen sein soll, bei dem eine Listung normalerweise sehr schwierig ist.
Wie auch immer: Besprechen Sie sich mit Ihrer Beraterin oder Ihrem Berater – die Betrüger lungern um jede Ecke.